Nein zum Weiterbau der B448

Die Ortsgruppe Mühlheim-Offenbach sieht den erneut in Rede stehenden Weiterbau der B448 kritisch und stellt hier der Öffentlichkeit Materialen zur Verfügung, die sowohl selbst erarbeitet wurden, aber auch von anderer Seite kommentiert oder bewertet worden sind.

 

Auch der übergeordnete NABU Kreisverband Offenbach teilt unsere Ansicht und unterstützt entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.


Im Frühsommer 2021 hat sich die OG Mühlheim-Offenbach der neu gegründeten Bürgerinitiative "Stadtfieber" angeschlossen. Wir erhoffen uns durch dieses Bündnis stärker auf der politischen Schiene wahrgenommen zu werden und besser zu einem Dialog mit Stadt und Bürgern zu kommen.

Viele Offenbacher wissen gar nicht was hier geplant ist, das möchten wir verbessern.

Die Bürgerinitiative

Stadtfieber - für ein lebenswerteres Offenbach

 


Die Stadt Offenbach a. M. weist in Ihrem Masterplan 2030 (beschlossen im Februar 2016 !) auf Seite 157 unter Position 6.2 folgendes Schlüsselprojekt mit mittelfristigem Zeitplan aus:

Renaturierung des Knotens der B448 und ggfs. weitere Ausgleichsmaßnahmen im Falle der Realisierung der B448 als zweispurige Verbindungsstrasse.

 

Im März 2021 wurde eine Zwischenbilanz des Masterplans veröffentlicht. Für das Schlüsselprojekt 6 wird folgender Aktionsplan angegeben:

Uns als Naturschutzverein interessiert selbstverständlich insbesondere die grün markierte Überprüfung der Auswirkungen auf Natur, Verkehr und Immisionen in Offenbach.

 

Hierzu wurde bereits im Mai 2021 eine Anfrage auf Zugang zu Umweltinformationen gemäß HUIG gestellt. Diese wurde allerdings abgelehnt, da offenbar die Machbarkeitsstudie noch nicht vollständig abgeschlossen war (§7 Absatz 2 Nr 4). Wir sind gespannt auf die Ausführungen, sobald sie uns vorliegen.


Aktuellste Informationen s. folgenden offenen Brief sowie Pressemitteilung

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Offener Brief B448_final.pdf
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Stadtfieber_PM.pdf
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Zur Pressemitteilung von Stadtfieber vom 8.7.21 schrieb eine Leserin einen Leserbrief, den Sie hier einsehen können.

Es gab mittlerweile zwei Begehungen der favorisierten Trasse unter der fachkundigen Führung unseres Mitgliedes Eric Martine, Biologiestudent und Botaniker aus Leidenschaft. Hier ein Bericht dazu aus der FR:

Frankfurter Rundschau vom 25.07.2021: Buchen statt Ausbau der B448

Offenbach-Post vom 11.08.2021: Artenreichtum gefährdet


Pressemitteilungen zur B448-Verlängerung

OP 15.05.2018: Durch B448-Verlängerung weitere Belastungen befürchtet

OP 11.04.2021: Verlängerung der B448: Auch zwei Vereine in Offenbach betroffen

OP 06.05.2021: Anwohner wollen Verlängerung der B448 verhindern

OP 12.08.2021: wenig Chancen für Tokio-Variante in Offenbach


Hier ein persönlicher Bericht unseres Finanzvorstandes, Frau Dr. Huni

Am 11.04.2021 konnte der Offenbach Post entnommen werden, dass die Verlängerung der B448 zur Mühlheimer Straße näher rückt. Sie soll Offenbachs östliche Gewerbegebiete anbinden und die Bieberer Straße entlasten.

 

Allerdings soll die Straße durch ein Gebiet gehen, in dem es jetzt noch keinen Durchgangsverkehr gibt, was also einen erheblichen Eingriff darstellt.

 



Um die Notwendigkeit dieser Maßnahme bewerten zu können, wollte ich wissen, wie stark der Bieberer Berg vom Verkehr beeinträchtigt ist, vor allem während des Berufsverkehrs. Also fuhr ich dann an einem ganz normalen Donnerstag, bewaffnet mit Stift und Uhr, den Kilometerzähler im Blick etwa um 16:30 h in Richtung Bieberer Berg.

 

Zu meiner großen Überraschung quälte ich mich jedoch nicht im Stopp-und-Go den Bieberer Berg hoch, sondern konnte fast in einer grünen Welle fahren. Für die 1,5 km von der ARAL-Tankstelle bis zur Auffahrt zur B448 brauchte ich gerade mal 3 Minuten, ganz ohne Stau.

 

Bei der Gelegenheit fuhr ich auch die Strecke vom Fuße des Bieberer Berges durch die Untere Grenzstraße, am S-Bahnhof OF-Ost vorbei, durch die Mühlheimer und dann über die Laska Brücke. Nach 1,9 km und lediglich 4 min später stand ich auf dem Parkplatz vor den Kleingärten, die vom Ausbau betroffen sein werden.

 

Ich war sehr überrascht, wie schnell auch das gegangen war. Sicherlich ist das eine Folge der Corona Pandemie, Lock Down und Home Office. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch dann, wenn alle geimpft sind, das Verkehrsaufkommen nicht automatisch wieder das vorherige Ausmaß annimmt. Viele Arbeitnehmer sind inzwischen für Heimarbeit ausgestattet und haben möglicherweise sogar bald einen Rechtsanspruch darauf. Die Arbeitgeber andererseits werden inzwischen festgestellt haben, dass sich teure Büromieten durch eventuell auch nur verminderte Anwesenheit ihrer Arbeitnehmer einsparen lassen, ebenso wie Videokonferenzen Reisezeiten und-kosten senken.

 

Als nächstes habe ich mir die Gegend der geplanten Trasse angeschaut.

 

Empfangen wurde ich von einer Infotafel zur Offenbacher Waldroute der Stadt Offenbach selbst, auf dem die Bedeutung des Waldes folgendermaßen hervorgehoben wird: „Beim Spaziergang die Seele baumeln lassen und Erholung finden von der Hektik des Alltags“ und „Nicht nur für das menschliche Wohlbefinden ist der Wald wichtig, auch als Umweltfaktor spielt er eine große Rolle. Er trägt als Wasserspeicher zum Hochwasserschutz bei und verhindert die Bodenerosion. Luftverschmutzung wird ausgefiltert und Lärm vermindert.“ Das spricht mir natürlich aus dem Herzen.

 

Dort, wo eine Straße gebaut werden soll, führt jetzt ein kleiner Trampelpfad zwischen Wald und den Kleingärten entlang. Der Waldrand ist eine Wucht: eine ganze Reihe sehr alter knorriger Eichen strecken ihre Äste jetzt noch ohne Laub über den Trampelpfad und über die Gärten. Die Gärten sind naturnah mit Wiesen mit viel Gänseblümchen. Am Wegesrand gibt es Frühlingsblumen, unter anderem die nur zerstreut vorkommende Zwiebel-Zahnwurz.

 

Der Pfad führt über kaum noch erkennbare Treppenstufen aus Steinen, die zusammen mit den alten, für einen Wald etwas ungewöhnlichen Bäumen wie Kastanien darauf hinweisen, dass sich hier wohl mal eine Parkanlage befand. Später gelange ich auf eine schmale asphaltierte Straße, die bis auf den Bieberer Berg führt und dort als Sackgasse endet.

 

Nur wenige Jogger und Radfahrer begegnen mir. Es ist aber zu erkennen, dass die Gegend für Freizeitaktivitäten genutzt wird. Es gibt im Wald eine für und von Radfahrern ausgebaute Mountainbike Strecke und ganz oben wird das Gelände von OFF Road Motorfahrzeugen ausgiebig genutzt.

 

Die Gegend wird auch benutzt. Im Wald wurden Reifen illegal entsorgt, neben Gartenabfällen, Schotter und weiterem Verpackungsmüll: hier Abfallentsorgung im Kleinen, und oben auf dem Schneckenberg Müllentsorgung im großen Maßstab.

 

Der Waldrand weiter oben ist gesäumt von Buchen und Kiefern, die erstaunlicherweise gesund aussehen.

 

Sie würden der 16 m breiten Straße zum Opfer fallen. Diese Bäume sind die Sonneneinstrahlung aus südwestlicher Richtung ihr ganzes Leben lang schon gewöhnt und sind diesbezüglich widerstandsfähig. Das gilt jedoch nicht für die Bäume dahinter, die im Schutz der vorderen Bäume stehen. Diese können, wenn die vorderen Bäume gefällt sein werden, stark geschädigt werden.

 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass für den Ausbau der Straße ein sehr hoher Preis neben den tatsächlich anfallenden Kosten zu bezahlen wäre:

 

-        Ein bisher ruhiges Gebiet, das Offenbacher für unterschiedliche Freizeitaktivitäten nutzen, wird den Nachteilen des Autoverkehrs ausgesetzt, wie Lärm und Abgase. Und das in einer Stadt wie Offenbach, die schon extrem dem Fluglärm des Frankfurter Flughafens ausgesetzt ist.

 

-        Die wenigen Naturräume werden weiter verkleinert. Das Gebiet hinter der geplanten Straße ist ein gemischter Buchenwald auf Kalkgestein in dem z. B. seltene Orchideen gedeihen. Der Konflikt zwischen Naturschutz und der Nutzung für Freizeitaktivitäten wird sich verschärfen.

 

-        Die angesiedelten Vereine sowie die Kleingärtner verlieren ihr Domizil.

 

-        Intakter Wald geht verloren und die Versiegelung der Böden schreitet voran.

 

-        Der Bau der Straße ist mit einem hohen CO2 Ausstoß verbunden, das Befahren mit Autos ebenfalls. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Straße nur als Alternative benutzt wird, sondern es ist immer davon auszugehen, dass durch zusätzliche Straßen zusätzlicher Verkehr entsteht.

 

-        Jede zusätzliche Straße hat einen negativen Einfluss auf das Klima und auf die erst kürzlich neu definierten Klimaziele. Wald, der Co2 binden, Wasser speichern und kühlen kann wird vernichtet, die Atmosphäre durch sich aufheizende Straßen weiter erwärmt.

 

Die Vorteile der Straße sind zu hinterfragen.

 

               Es ist zwar verständlich, dass die Messwerte für Schadstoffe auf der Unteren Grenzstraße gesenkt werden sollen, zumal dort die Messstation steht. Es ist jedoch zu kurz gedacht, wenn diese Schadstoffe stattdessen auf der doch sehr nahegelegenen Mühlheimer Straße ausgestoßen werden.

 

               Die beiden neu zu erschließenden Gewerbegebiete, das ehemalige Alessagelände und der ehemalige Güterbahnhof, liegen in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Offenbach Ost und mehrerer Buslinien und sind daher bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

 

               Gerade in Ballungsgebieten sollten Alternativen zum individuellen Autoverkehr gesucht werden, da auch der Platz in einem derartigen Gewerbegebiet viel zu kostbar ist um im großen Maßstab nur als Parkplatz für, im übrigen immer größer werdende Autos, verschwendet zu werden.

 

Bei den vor Jahrzenten durchgeführten Planungen stand im Vordergrund, dass jeder möglichst schnell mit seinem PKW überall hinkommen soll. Diese Situation hat sich inzwischen stark verändert, die Ballungsräume leiden unter dem Andrang von PKWs. Zudem sollten auch Faktoren wie Klimaschutz, CO2 Ausstoß, Veränderung des Arbeitsverhaltens und die Erhaltung stadtnaher Erholungsräume Berücksichtigung finden.

 

Ich war vor der Pandemie bei einer Sprechstunde des Oberbürgermeisters Felix Schwenke. Da waren die Probleme rund um das Auto ein Schwerpunkt. Es gab jedoch keinerlei Klagen über zu wenig Straßen oder über Staus auf den Ausfallstraßen. Das Hauptproblem waren mangelnde Parkplätze und so zugeparkte Straßen, dass bei Notfällen weder Rettungswagen noch Feuerwehr an ein Ziel gelangen kann.

 

Dies sind deutliche Hinweise darauf, dass Alternativen zum Individualverkehr verwirklicht werden müssen. Der Ausbau weiterer Straßen ist ein Schritt in die falsche Richtung.

 

Text und Bilder: Dr. Waltraud Huni